Für unsere e-mobile Reise von München nach Südtirol hatte uns KIA das „Auto des Jahres“ in Europa, den EV6 zur Verfügung gestellt. Wir waren gespannt darauf, zu erfahren, ob wir nach unserem e-trip die durchwegs positiven Beurteilungen anderer Medien teilen würden. Obgleich der geringe Durchschnittsverbrauch des Korea-Stromers von unter 20 KW allenthalben gepriesen wird und die Reichweitenanzeige beim Start 453 Kilometer auswies, gingen wir auf Nummer Sicher und genehmigten uns kurz vor Garmisch noch einen Schluck aus der dortigen „Schnelllade-Pulle“. Schließlich wollten wir ganz entspannt ohne Zwischenstopp an österreichischen oder italienischen Raststätten unser Ziel erreichen.

Und so gelangten wir dann auch bequem und stressfrei an unser Ziel im Pustertal, das Boutique Biohotel Gitschberg im Ort Meransen. Diese gehobene Destination befindet sich auf einer Wiese mit Bergblick und ist 5 Gehminuten von der Gondelbahn des Gitschbergs entfernt. Was beim ersten Anblick sofort ins Auge sticht ist die große Photovoltaikanlage, die sich unterhalb des Hotels erstreckt. Ein sichtbares Symbol des Nachhaltigkeitsanspruchs seiner Betreiber.

Laden mit hausgemachtem Ökostrom

Wie es sich für die Planung einer e-mobilen Reise gehört, hatten wir uns vorher nach einer Lademöglichkeit im Hotel erkundigt. Tatsächlich wurde uns eine solche angeboten, die sich zu unserer Überraschung auch noch als perfekt herausstellte. Überraschend deswegen, da wir nicht nur einmal erlebt hatten, als Nicht-TeslafahrerIn am Zielort lediglich einen exklusiven „Destination-Charger“ für Fahrzeuge der amerikanischen Marke vorzufinden. Hatte man Glück, stand dann auch ein zweiter Ladepunkt für andere Fabrikate zur Verfügung. Auch im Hotel Gitschberg gibt es diese zwei Optionen, nämlich neben dem Tesla-Charger auch eine Wallbox für andere E-Autos. Das Besondere: es bedarf keiner speziellen Ladekarte, keiner eigenen App oder einer Freischaltung, um an den selbstproduzierten Ökostrom zu gelangen. Einfach das Kabel einstecken, schon beginnt der Ladevorgang. Ein toller Service.

Laden einfach gemacht: Kabel anschließen und schon fließt der hauseigene Ökostrom

Eine zweite Besonderheit betrifft den Ladestrom, der mit 22 KW für ein Hotel relativ üppig ausfällt. Wer seinem Stromer also noch schnell vor dem Tagesausflug etwa während des Frühstücks eine nennenswerte Reichweite einverleiben möchte, wird hier bestens bedient.

Beeindruckende Aussichten

Nach der Begrüßung durch das überaus freundliche Personal im Zimmer angekommen, führt der erste Weg sogleich auf den Balkon, um das imposante Bergpanorama zu genießen. Beim Blick in die nähere Umgebung wird dem Gast erst richtig bewusst, wie harmonisch sich das Biohotel Gitschberg auf 1400 Metern in die Wald- und Wiesenlandschaft am Fuße des gleichnamigen Bergs einfügt. Dabei erinnert es architektonisch an die urigen Scheunen und Heustadel der umliegenden Almenregion.

Direkt unterhalb des Balkons entdeckten wir Hausgäste beim Schwimmen im und Relaxen am erst kürzlich eingeweihten Panorama-Bergpool, der sich auch ins Innere des Gebäudes erstreckt. Mit dieser Oase der Entspannung erfüllte sich die Hoteliersfamilie Peintner einen lange gehegten Traum. Der nachhaltig beheizte Pool ist mit belebendem Bergquellwasser gefüllt und erweckt den Eindruck, der Bergwelt entgegen zu schwimmen. Auch der einrahmende Duftgarten, angelehnt an die traditionellen Bauerngärten, bietet ganzheitliche Sinnesfreuden.

Eine Oase der Entspannung – der Panoramapool mit umliegendem Duftgarten

Moderne Alpenarchitektur

In den Zimmern des Biohotels mit intimen Boutique Charakter duftet es herrlich nach Lärche, Eiche und Fichte und die energieeffiziente Architektur sowie die natürlichen Materialien sorgen für eine wohlige Atmosphäre. Und das ganz ohne rustikalen Zierrat…

Sämtliche Bereiche des Hotels sind hell, offen, einladend und gemütlich gestaltet. Die großen Panoramafenster holen die beeindruckende Natur ins Innere. Ein besonderer Blickfang sind zudem die markant geformte Rezeption aus massivem Zirbenholz sowie der gläserne Weinkubus, der die angeschlossene Bar ergänzt. Wer sich der Abendstimmung im Freien hingeben möchte, lässt sich beispielsweise ein Gläschen Biowein in der Chillout-Lounge mit Feuerstelle servieren.

Im Speisesaal bieten Panoramafenster Ausblicke in die herrliche Landschaft

Ganz besonders angetan waren wir vom Corporate Design-Konzept des Hauses. So findet sich eine angedeutete Bergsilhouette als Gestaltungselement gleichsam als roter Faden etwa an Wänden, Textilien und anderen Gegenständen. Phantasievoll, leicht und unaufdringlich. Als wir uns bei der Chefin des Hauses, Barbara Peintner, danach erkundigten, welches Innenarchitekturbüro für das Hauskonzept verantwortlich sei, erhielten wir zu unserer Überraschung „sie selbst“ als Antwort. Schließlich habe sie in einer Tourismusmarketingagentur gearbeitet. Dies erklärt jedoch ihr ausgeprägtes Gespür für Formen, Farben und Materialien nur unzureichend…

Zertifiziertes Klimahotel

In enger Verbundenheit mit der Natur wurde das Gitschberg als erste bestehende Destination in Südtirol zum „KlimaHotel® umgebaut und 2013 mit dem Gütesiegel ausgezeichnet. Das Qualitätsprädikat der KlimaHaus® Agentur Südtirol fußt auf den drei Hauptkriterien für Nachhaltigkeit „Natur“ (Ökologie), Leben (soziokulturelle Faktoren) und Transparenz (Ökonomie). Nur konsequent, dass auch bei verschiedenen Umbau- und Erweiterungsschritten der vergangenen Jahre schon während der Projektierungsphasen die KlimaHotel® Vorgaben berücksichtigt wurden. Das Haus wurde als energiesparendes und zertifiziertes KlimaHaus B geplant, errichtet und ausgebaut. Die kompakte Bauweise mit optimierter Wärmedämmung sowie die bestmögliche Gebäudeausrichtung zur Sonne tragen zur Energieeffizienz bei. Spezielle Fenster lassen kaum Wärme nach außen, Wärmebrücken werden möglichst vermieden. Auch bei der Auswahl der Bau- und Ausstattungsmaterialien achtete die Hotelierfamilie auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Heimische Hölzer prägen das Erscheinungsbild des Hotels innen wie außen.

Dazu gehören möglichst geringe CO2-Emissionen in der Anlieferung, der Verzicht auf potentiell schadstoffbelastete Stoffe ebenso wie der Einsatz von natürlichen Textilien wie Wolle oder Filz. Zudem kamen naturbehandeltes Lärchen-, Zirben-, Fichten- und Eichenholz sowie chemiefreie Farben und Dämmmaterialien zum Einsatz.

Für uns als Kinder der Berge und der Natur war das Nachhaltigkeitskonzept des Hauses einfach eine logische Konsequenz unserer persönlichen Einstellung und Entwicklung

Barbara und Horst Peintner, Hotelinhaber

Ökostrom wird mit Hilfe einer rund 200 m2 großen und 18,8 kWp leistungsstarken Photovoltaik-Anlage produziert. Eine Erweiterung ist bereits in Planung. Die optimierte Haustechnik stellt zudem sicher, dass sich der Energieverbrauch auf ein Minimum reduziert. Zwei Sickerschächte sorgen für eine optimale Rückführung des Regenwassers, während ein zusätzlicher, mit Sickerwasser gefüllter, Tank für die Bewässerung der gesamten Hotelanlage genutzt wird.

Feines aus der Bio-Küche

Ein nächster logischer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit erfolgte 2022, als das Gitschberg schließlich als Boutique Biohotel zertifiziert wurde. Eine sehr bewusste Entscheidung, die jedoch mit einem nicht kleinen Aufwand verbunden war. So mussten etwa neue Lieferantenbeziehungen mit alpenländischen, bevorzugt regionalen oder sogar lokalen (Bio-)Betrieben geknüpft werden.

Echt, bunt und voller Geschmack – und ganz im Zeichen der Jahreszeiten, das beschreibt am besten das Motto der BioNaturkuchl des Gitschberg. Da es aber um mehr als nur den Einsatz von naturnahen, biologischen Lebensmitteln geht, sind Rezepturen mit nachhaltigem Anspruch, eine gesunde, straffe Menülinie und tagfrische Zubereitung ebenso zentrale Elemente der Küche.

Auf den Tellern herrscht das Motto „weniger ist mehr“. So finden sich in den Menüs keine überladenen Riesenportionen, sondern ausreichend große „Appetizer“ und Gerichte bester Güte. Der stets freundliche und zuvorkommende Service rundet das kulinarische Erlebnis im Gitschberg ab. Köstlich genährt, satt, aber nicht übersättigt begeben sich die Gäste nach dem Mahl gerne noch mit einem Drink auf die Terrasse und genießen die großartige Aussicht auf zahlreiche Berge. Von den Ötztaler und Zillertaler Alpen zieht sich das Panorama über die Pustertaler Dolomiten, den Kronplatz, den Peitlerkofel, die Plose und Geislerspitzen bis weit hinunter zu Langkofel und Plattkofel, zum Schlern und dem Rosengarten Massiv.

Fenilia SPA – Naturerlebnis im Inneren

Sprudelnde Quellkraft, weite Gipfelblicke und Anwendungen ganz in der Tradition alpiner Naturheilkunde bietet das „Fenilia“- Spa. Die Behandlungen sind ganzheitlich aufgebaut, wurden ganz individuell für das Gitschberg ausgearbeitet und basieren auf den naturreinen Wirkstoffen der Alpen in Form von Kräutern, Ölen, energiespendenden Edelsteinen. Auch die verwendeten Pflegeprodukte für Gesicht und Körper stammen aus kontrolliert biologischem Anbau und nachhaltiger Wildsammlung. Fenilia Saunen – Heiß-kalte Vitalität ganz im Zeichen von Heu, Wald und Wiesen, so sorgt die großzügige Fenilia Saunalandschaft für Wohlbefinden. Eine Infrarotsauna, eine Dampfstube sowie die Bio-Heusauna mit Bergblick ergänzen die Finnische Panorama-Sauna im Gartenbereich des Hotels. Einzigartig ist auch die Heu-Lounge. Mit über 2.000 kg handgemähtem Bergheu zeigt sie sich nicht nur als herrlich duftendes Schmuckstück, sondern viel mehr noch als besonders kraftvoller Ort der Tiefentspannung.

Entspannung in der Heu-Lounge mit seinen duftenden Wänden aus handgemähtem Bergheu

Im Außenbereich bringt das abendliche Knistern im Feuerkreis vor dem Poolbereich für eine besondere Stimmung. Im gesamten Garten spielen Naturmaterialien eine wesentliche Rolle – alle Liegen und OutdoorMöbel werden eigens für das Boutique Biohotel von einem örtlichen Tischler in Lärchenvollholz entworfen und angefertigt. Angepflanzt werden alpine Pflanzen und Kräuter, Moose, alte Obstbäume und Sträucher zum Naschen für die Gäste. Einen ganz besonderen Platz finden im Panorama-Duftgarten die drei thematischen Kräuterkreise.

Aktivitäten in der Umgebung

Wer sich Südtirols Bischofstadt Brixen nähert und den Blick nordwärts Richtung Alpenhauptkamm richtet, der sieht schon von weitem die ausgedehnte Hochebene von Meransen. Von Mühlbach aus mit der Seilbahn oder über die Panoramastraße erreichbar, liegt das beschauliche und dörflich geprägte Dorf am Scheitelpunkt des Südtiroler Pustertals und Eisacktals. Über 280 Sonnentage im Jahr machen Meransen zu einem der sonnigsten Orte Südtirols. Die Almen- und Skiregion am Gitschberg gehört im Sommer wie im Winter zu einer beliebten Feriendestination. Wer Abwechslung zum Bergidyll sucht, hat es nicht weit zu den Städten Brixen (18 km), Bruneck (32 km), Sterzing (37 km) oder Bozen (59 km).

Der Einstieg zu Wanderungen und Bergtouren unterschiedlichster Länge und Schwierigkeitsgrade beginnt direkt vor dem Hotel. Für Biker geht es sportlich-bequem über hügeliges Gelände und entlang der verschiedenen Trails. Wer seine eigenen Räder nicht mitgebracht hat, kann sich im Hotel E-Mountainbikes für seine Touren ausleihen.

Gäste können mit gemieteten E-Mountainbikes die Berglandschaft erkunden

Zusätzlich zum umfangreichen Wander-, Bike- und Freizeitprogramm der Almenregion können Gitschberg-Gäste wöchentlich eine geführte Bergtour sowie Alpines Waldbaden mit Gastgeberin Barbara Peintner buchen. Ein besonderer Vorteil für alle Sommergäste ist die kostenlose Gästekarte AlmencardPLUS mit einer Vielzahl an inklusiven Leistungen: freie Nutzung der Bergbahn Gitschberg, Bergbahn Jochtal, der Seilbahn Mühlbach-Meransen oder der Busverbindung von Mühlbach auf die Rodenecker-Lüsner Alm. Freie Fahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln in ganz Südtirol, kostenloser Eintritt in rund 90 Museen südtirolweit, Alm-Aperitiv am Gitschberg, Höfewanderung im Pfunderertal, Bergseentouren, Natur- und Kräuterwanderungen, Kneipperlebnis oder Sonnenaufgangswanderung. Aber auch geführte E-Bike Touren, Lama-Trekking sowie kulinarische Highlights wie Weinberg- und Biobauernhofbesichtigung am Santerhof oder Käsereibesichtigung sind inkludiert.

Das Skigebiet Gitschberg Jochtal wartet von Anfang Dezember bis Ostern mit 15 Aufstiegsanlagen und 55 schneesicheren Pistenkilometern auf. Die moderne 8er-Kabinenbahn ins Skigebiet startet nur 300 Meter vom Biohotel entfernt.

Und sonst noch…

Was vor 45 Jahren als kleine Pension eines bäuerlichen Betriebs begann, entwickelte sich Zug um Zug zu einer Wohlfühloase, die ihre Gäste zu nachhaltigen Entdeckungsreisen einlädt. Zur ausgesprochen angenehmen Atmosphäre des Biohotels trägt sicher bei, dass es sich nicht um eine der auch im Alpenraum verbreiteten „Bettenburgen“ handelt. Das Haus mit seinen lediglich 38 Zimmern & Suiten vermittelt im Gegensatz zu diesen einen beinahe familiären Eindruck, wozu nicht zuletzt die Inhaber Barbara und Horst Peintner beitragen. Einerseits direkt im Umgang mit ihren Gästen, andererseits aber auch, indem es ihnen gelungen ist, ihre Mitarbeiterinnen zu einem Team zu formen, welches das Nachhaltigkeitskonzept des Hauses mitträgt und „lebt“. Und das die Gastgeberrolle wie selbstverständlich mitübernimmt. Dieser besondere „Spirit“ gehört neben vielen Annehmlichkeiten, die das „Gitschberg“ zu bieten hat, zu seinen Besonderheiten.

Übrigens: die entspannten Ausflüge mit dem EV 6 rundeten die positiven Eindrücke unseres Gitschberg-Aufenthalts ab.

Ausflüge mit einem Stromer werden in Südtirol stets zu Genusstouren.

Mehr über unsere Erfahrungen mit dem koreanischen „Stromer“ berichten wir in den nächsten Folgen unserer Südtirol-Reportage.

https://www.gitschberg.it/

Text: Peter Grett
Bilder:
Aufmacher und letztes Bild Kia: Anett Tobies
Außenfassade und E-Bike-Garage: Peter Grett,
alle weiteren: Hotel Gitschberg