Auf dem beliebten und stark frequentierten Weg zum Gardasee kommt kaum jemand auf die mehr oder weniger spontane Idee, Rovereto „links liegen zu lassen“ und sich dem Gebiet nördlich des Sees zuzuwenden. Zu Unrecht, denn das Val di Gresta ist eine kleine grüne Oase abseits des pulsierenden Lebens am Gardasee. Saftig grüne Landschaften, einsame Wanderwege, Rennradpässe und leichte bis anspruchsvolle Trailtouren. Kulinarische Spezialitäten, frisch aus dem Garten der Natur. Willkommen im Val di Gresta!

Zwischen Rovereto und dem Gardasee liegt in der Provinz Trient ein Tal, das selbst viele Einheimische kaum kennen: das Val di Gresta. Ein Ort, der sich mit jedem Schritt, Tritt und Atemzug anders zeigt: still, ursprünglich und unglaublich vielseitig. Für Wanderer, Biker und Bergsteiger ist das Val di Gresta ein echter Geheimtipp.

Wälder, Obst- und Gemüseanbau prägen die Landschaft

Das Val di Gresta – das verborgene, grüne Gartenparadies

Das Val di Gresta erstreckt sich zwischen Rovereto im Osten und dem Gardasee im Westen auf rund 1.000 Metern Höhe. Bekannt ist es als erster Bio-Bezirk des Trentino. Es ist ein Tal voller Obstgärten, Gemüsefelder und blühender Wiesen. Diese werden von den  charakteristischen Trockenmauern durchzogen, die fast einen Eindruck von einem an das Gelände angeschmiegten Mosaik von kleinen bis mittleren Anbauflächen erzeugen.

Wer aus Richtung Riva, Arco oder Torbole hinaufschaut, ahnt kaum, welch stille Welt sich hier unterhalb des Monte Stivo verbirgt. Ein Ort, an dem die Zeit ein bisschen langsamer vergeht. Und ein Ort, an dem man den Gardasee von seiner ruhigen Seite beobachten kann. Der Gardasee, ein Überbleibsel einer großen, von den Zentralalpen nach Süden ausgreifenden eiszeitlichen Gletscherzunge, leitet das mediterrane Italien ein. Sein Nordufer mit dem von quirligem Leben erfüllten Riva de Garda ist von beinahe überall im Val de Gresta, die entsprechende Höhe vorausgesetzt, zu sehen und bietet aus dieser Distanz ein Bild der Ruhe. Seine nördlichen Nachbarn, die Trentiner Dolomiten, Adamello und Brenta, die sich zu Gipfelhöhen jenseits der Dreitausender-Marke aufschwingen, bilden dazu den herausfordernden Gegensatz. Dazwischen liegen die weit weniger spektakulären Hausberge des Val di Gresta, Monte Creino und der charakteristische Monte Stivo mit ihren Tälern. Letzterer ist ein mächtiger Kalksteinblock mit über 2.000 Metern Höhe, mit einem Hochplateau als Gipfel, einer steil abfallenden Ostflanke und einer sanft herabziehenden Westseite, an der die charakteristischen Gärten, darüber Zypressen und noch höher alpine Flora und Fauna zu finden ist. Der Berg bildet einen Aussichtspunkt erster Güte, sowohl im Norden mit den schneebedeckten Gipfeln als auch im Süden mit dem von steilen Bergwänden eingefassten Gardasee, einem norwegischen Fjord nicht unähnlich, findet der schweifende Blick lohnende Ziele und verführt geradezu dazu, zu träumen und die Seele baumeln zu lassen.

Der Gardasee leitet den Blick nach Süden in Norditaliens Tiefland und das Meer

Die Natur im Val di Gresta bietet ein harmonisches Bild. Es gibt hier keine herausragenden, spektakulären Highlights. Andererseits ist genau dieses stille, ausgewogene und von eher lauen Winden vom großen See her verwöhnten Idyll genau dieses – ein wirkliches Highlight. Wer das Gemenge von südlicher Voralpenvegetation, Blumenwiesen, montanen Wäldern und eben der beinahe schachbrettartigen kleinräumigen Bewirtschaftung samt seiner artenreichen Insekten- und Vogelwelt zu schätzen weiß, der wird hier sein Glück finden – definitiv!

Wer indes – vielleicht außerdem - historisch interessiert ist, den holt gewissermaßen der erste Weltkrieg ein. Über das Val di Gresta verlief einst ein Abschnitt der Frontlinie zwischen dem Habsburgischen Österreich und Italien. Zahlreiche Schützengräben, Unterstände und zu Stellungen ausgebaute Höhlen zeugen noch heute von dem wenig erfreulichen Abschnitt europäischer Geschichte. Aber wie von einem geheimen gutmeinenden Zauber entschärft, gliedert sich auch dieser Aspekt in die harmonische Landschaft ein – mehr jedenfalls als an anderen Orten dieses grausigen Geschehens.

Gut erhaltene Geschützstellungen und Schützengräben erinnern an finstere Zeiten

Meine Outdoor-Erlebnisse im Val di Gresta

Björn Arndt, der Autor von bergparadiese.de hat das Val di Gresta besucht. Hier schildert er seine Eindrücke:

Ich habe das Tal in diesem Herbst von allen Seiten kennengelernt: beim Mountainbiken, beim Wandern und beim Bergsteigen. Jede dieser Touren hat mir eine andere Facette dieses besonderen Landstrichs aufgezeigt.

Der Monte Stivo ist der mächtige Wächter über dem Val di Gresta – und einer der aussichtsreichsten Berge im Garda Trentino. Vom Passo Santa Barbara führt der Weg über historische Stellungsreste und weite Almwiesen hinauf zum Gipfel auf 2.054 m.

Von oben reicht der Blick bis zum Gardasee, zur Brenta und den vergletscherten Gipfeln des Adamello.

Wie komme ich ins Val di Gresta?

  • Anreise mit dem Auto:
    Über die Brennerautobahn A22 fährt Du bis zur Ausfahrt Rovereto Süd. Dann geht es auf der SS 240 Richtung Mori und bei Loppio rechts hinauf ins Val di Gresta bis Ronzo-Chienis.
  • Anreise mit der Bahn:
    Auch mit der Bahn ist das Val di Gresta zu erreichen. Dazu fährst Du zunächst mit dem Zug bis Rovereto und steigst dort in den Linienbus um. Der bringt Dich direkt nach Ronzo-Chienis.
Beschauliches Wandern und Radfahren bietet sich in dieser Landschaft geradezu an

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?

Das Klima ist ganzjährig mild – im Frühling grün, im Sommer angenehm luftig und im Herbst goldfarben still.

Mein persönliches Fazit zum Val di Gresta

Das Val di Gresta ist eines dieser Täler, die Du nicht zufällig entdeckst, sondern Du musst es suchen um es wirklich zu finden. Auf engstem Raum vereint es alles, was das Garda Trentino so besonders macht: aussichtsreiche Gipfel, stille Pfade, geschichtsträchtige Spuren und eine Landschaft, die im Herbst in den schönsten Farben leuchtet.

Für mich ist das Val di Gresta kein Geheimtipp mehr. Es ist ein Ort, an den ich unbedingt zurückkehren möchte.

https://www.gardatrentino.it/de/ortschaften/val-di-gresta

Hier geht es zum Beitrag auf Bergparadiese.de: https://bergparadiese.de/das-val-di-gresta-geheimtipp-fuer-wanderer-und-biker-am-gardasee

Text: Björn Ahrndt, Werner Köstle
Bilder: Bergparadiese.de