Dort, wo die Hänge des Schwarzwalds allmählich in das weite Grabental des Rheins übergehen, etwa im Markgräfler Land, der Ortenau oder dem Kaiserstuhl, da wächst eine ganz besondere, süße Frucht, die Schwarzwaldkirsche - deren Ernte gerade begonnen hat.

Der Schwarzwald

Deutschlands höchstes Mittelgebirge ist die „Ruine“ eines uralten Gebirges, das im Eozän vom Oberrhein in einen westlichen Teil, die Vogesen, und einen östlich des Flusses gelegenen, den Schwarzwald, getrennt wurde und aus Buntsandstein, Graniten und metamorphen Gesteinen (Gneis) aufgebaut ist.

Man kann sich den Schwarzwald vereinfachend als eine große Scholle vorstellen, die von Südwesten nach Nordosten pultförmig abfällt und von Süd nach Nord grob in drei Teile gegliedert ist, zwischen denen die Flüsse entweder nach Westen in den Rhein, oder nach Osten in die Donau entwässern.
Ursprünglich war der Schwarzwald von Mischwäldern bedeckt, aber seitdem der Mensch die Landschaften großflächig umzugestalten begann, verwandelte sich der Mischwald mehr und mehr in eine von Köhlersiedlungen durchsetzte Fichten-Monokultur. Ausschlaggebend dafür war unter anderem der hier schon schiffbare Oberrhein. Über diesen wurde die massive Holznachfrage aus den Niederlanden bedient, deren städtebauliche Basis die Fichtenstämme aus dem Schwarzwald bildeten.

Der Rheingraben

Der Talboden im Westen wäre eigentlich bis zu 4.000 Meter tief, wäre er nicht ständig „aufgefüllt“ worden. Aufgefüllt von Sedimenten aus dem gebirgigen Oberlauf des Rheins, dem Alpenrhein, die sich im Lauf der Zeit zu einem sehr fruchtbaren Lößboden zersetzt haben. Mitten im Rheintal wuchtet sich der Kaiserstuhl, ein tertiärer Vulkankegel auf und bildet mit den erwähnten Sedimentgesteinsböden eines der ertragreichsten Wein-Anbaugebiete Deutschlands und eine bedeutende Region für den Kirschen-Anbau.


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Die Kirschblüte im Frühling am Kaiserstuhl

Das Klima

Während der Hochschwarzwald einem recht rauen, kühlen und regenreichen Klima ausgesetzt ist und die Ebene westlich davon im Regenschatten der Vogesen klimatisch fast schon mediterranen Charakter zeigt, bietet die Westabflachung des Gebirges einen günstigen Klima-Mix aus Wärme, lauen Abwinden von den Hängen  und einem vorwiegend trockenen Wetter, das wärmeliebenden Pflanzen wie Obst und Kirschen ein gedeihliches Wachstum ermöglicht. So gehören die Streuobstwiesen in den Tal- und Hügellagen als Kontrapost zu den Waldflächen zum prägenden Landschaftsbild.

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Geerntet werden die Kirschen in Handarbeit

Die Schwarzwald-Kirsche

Am Westrand der Ferienregion Schwarzwald zählen Kirschen zu den wichtigsten traditionellen Sonderkulturen – landschaftlich, kulinarisch und kulturell. Der Kaiserstuhl war lange Deutschlands größtes Süßkirschenrevier. Im Markgräflerland, besonders im Eggenertal, sorgen Lössböden und mildes Klima für die berühmte Markgräfler Süßkirsche: tiefschwarz und aromatisch mit Marzipan-Note – ideal für Marmelade, Saft und Kirschwasser. Auch das Renchtal, das Achertal und das Durbachtal in der Ortenau sind seit Jahrhunderten ein bevorzugtes Anbaugebiet der Obstbauern. Vom Blütenmeer bis zur Ernte im Sommer gibt es viele Möglichkeiten, die Kirsche zu genießen: Als frische Frucht, im Eis, als Marmelade, in der Kirschtorte und im Kirschwasser sowie auf Wanderwegen wie dem „Kirschbaumpfad“ oder bei Festen mit der „Kirschenkönigin“.

Die süßeste Verführung: Schwarzwälder Kirschtorte

Sie ist rund, mächtig, geschichtet und beschwipst. Ihre Farben sind Schwarz, Weiß und Rot: Die Schwarzwälder Kirschtorte ist die süßeste Verführung im Schwarzwald und ein international bekannter Botschafter der Ferienregion. Zu den wichtigsten Zutaten der Torte gehören Kirschen sowie Schwarzwälder Kirschwasser, wie es nur hier hergestellt wird. In nahezu jedem Café und Hotel wird sie angeboten und gern bestellt. Auch werden Kurse und Seminare für interessierte Gäste angeboten, um die Geheimnisse der Tortenherstellung zu erlernen, u.a. im „Hotel Hirsch“ in Enzklösterle, im „Café am Eck“ in Baiersbronn, im „Café Pause“ in Freudenstadt, im „Café Zum gscheiten Beck“ in Feldberg-Bärental und im „Café Zimmermann“ in Todtmoos. Alle zwei Jahre (nächster Termin in 2027) wird beim „Schwarzwälder Kirschtortenfestival“ in Todtnauberg die beste Version gesucht und gekürt.

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Schwarzwald-Idyll erster Güte und Botschafter der Region: Die Kirschtorte

Kirschwasser und noch viel mehr: 300 Jahre Brennrecht im Schwarzwald

Kirschwasser ist eines der kulinarischen Aushängeschilder der Ferienregion. Insbesondere das Renchtal blickt auf eine traditionsreiche Brennkultur zurück – seit 300 Jahren prägt das Brennrecht die Region, ihre Menschen und ihre Genussvielfalt. Es geht zurück auf eine Entscheidung des Straßburger Fürstbischofs Armand Gaston de Rohan, der 1726 seinen bäuerlichen Untertanen im Amt Oberkirch erlaubte, Früchte zum Eigengebrauch zu brennen: Die Landwirte konnten ihre Einkünfte aufbessern, die Wirtschaft in der Region wurde gestärkt und es flossen Steuergelder in seine Kasse. Diese bis heute lebendige Brenntradition ist etwa auf dem „Brennersteig“ und bei den „Heimattagen Ba-Wü“ in Oberkirch zu entdecken. Allein in Oberkirch mit 21.000 Einwohnern sind rund 700 Hausbrennereien registriert – damit gilt Oberkirch als heimliche „Brennhauptstadt“ Europas. Zum Jubiläum 2026 haben die Oberkircher Brenner einen gemeinsamen Edelbrand auf den Markt gebracht, eine Kirschwasser-Cuvée mit den erlesensten Tropfen der Region, abgefüllt und verfeinert bei der Edelobstbrennerei Fies im Ortsteil Ringelbach.

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Der zweite „Knüller“ aus der Region – edles Kirschwasser vom Schwarzwald

Blütenwanderung rund um Endingen

Tausende von Kirschbäumen zwischen Königschaffhausen und Kiechlinsbergen im nördlichen Kaiserstuhl bieten eine unvergessliche Kulisse für eine Blütenwanderung: Auf dem rund acht Kilometer langen Weg können kleine und große Wanderer das Frühlingserwachen intensiv erleben. Wer vorab den Wanderrucksack mit regionalen Spezialitäten füllt, kann seine Vesperdecke gleich unter den Obstbäumen ausbreiten.

Streuobstwiesen und römische Zeugnisse am „Kirschbaumpfad“

Seinen vollen Zauber entfaltet der „Kirschbaumpfad“ im Kaiserstuhl am Westrand der Ferienregion Schwarzwald in den Frühlingsmonaten. Auf rund 18 Kilometern Länge führt er durch Streuobstwiesen mit imposanten Hochstämmen von Sasbach nach Riegel. Der Pfad verläuft parallel zu alten keltischen und römischen Handelsverbindungen und Ansiedlungen, Reste davon sind noch am Limberg und bei Riegel zu bestaunen. Rast machen kann man auch unter dem riesigen „Kaiser-Stuhl“ bei Leiselheim.

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Weiße Kirschblüten dominieren das Landschaftsbild

Picknick unterm weißen Blütenmeer im Eggenertal

Die Kirschen weisen den Weg – sowohl auf dem Wegesymbol wie auch rund um die kleinen Ortschaften: Das Eggenertal bei Schliengen im Markgräflerland ist geprägt von Abertausenden von Kirschbäumen. Die Kirschblüte verwandelt das Tal Anfang/Mitte April in ein weißes Blütenmeer. Unter der Blütenpracht können Familien und Freunde ihre Picknickdecken ausbreiten. Der Rundweg durchs Eggenertal ist auch für geländegängige Kinderwagen geeignet. Er führt etwa 12 Kilometer weit um die kleinen Ortschaften von Niedereggenen, Obereggenen und Schallsingen.

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Das Eggenertal, Wein und Kirschen, soweit das Auge reicht

Der „Dreikirschenweg“ bei Achern

Besonders eindrucksvoll lässt sich die Kirschblüte rund um Achern auf dem 18,5 Kilometer langen „Dreikirschenweg“ erleben, der durch blühende Obstanlagen sowie über sanfte Hügel und sonnige Weinberge führt. Startpunkt der aussichtsreichen Rundtour in der Nationalparkregion ist der Bahnhof Achern. Von dort verläuft der Weg über Fautenbach ins „Dreikirschendorf“ Mösbach, das alle zwei Jahre im April mit seinem beliebten „Kirschblütenzauber“ ein Fest rund um die Frucht feiert (nächster Termin in 2027). Zahlreiche Obstbauern bieten entlang der Strecke ihre frischen Produkte direkt ab Hof an – vom Apfelsaft über Likör bis zur handgemachten Kirschmarmelade. Die Tour begeistert mit stillen Waldpfaden, idyllischen Plätzen wie dem Waldsee Oberachern und weiten Blicken. Sie reichen über das Achertal und die Rheinebene bis hinüber ins Elsass. Kulinarische Zwischenstopps bieten der Landgasthof „Grüner Baum“ in Mösbach oder verschiedene Lokale in der Innenstadt von Achern.

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Blick gegen Westen bei Achern

Zahlreiche Kirschbäume auch im Durbachtal

Ebersweier ist das „Kirschendorf“ im Durbachtal im mittleren Schwarzwald. Wer sich selbst vom dortigen Kirschbaum-Reichtum überzeugen möchte, sollte den knapp 12 Kilometer langen Rundweg um den Ort ansteuern: Er setzt sich aus drei gut kombinierbaren Wegen zusammen. Ohne große Höhenunterschiede sind die markanten Plätze des Durbacher Ortsteils zu erreichen. Von den Aussichtspunkten am Plauelrainer Köpfle, an der Maiglöckchenhütte sowie an der Kapellenruine St. Anton bieten sich immer wieder sehenswerte Blicke auf die Kirschbäume.

Wer sich also am saisonalen Kirsch-Zauber erfreuen will, der sollte nicht lange zögern, schließlich hat die Ernte schon begonnen. Aber auch abseits des Ernte-Geschehens hat die Region ihren ganz eigenen Reiz, und auch da bestimmt – wenn man möchte - die Kirsche die „Richtung“. Kirschwasser, Torte und Marmelade gibt es schließlich das ganze Jahr über.

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Text: Werner Köstle/Schwarzwald-Tourismus
Bilder: Schwarzwald-Tourismus